Bye Bye Rummel: Der Wohnwagen der Extraklasse

Wer wünschte sich nicht als Kind, ein Leben auf dem bunten Rummel? Mitten im Trubel, der bunten strahlenden Lichter, der re­kom­man­die­renden klaren Stimmen der Schausteller und der fetten Bässe aus den wuchtigen Lautsprechern. Als Kind war dies mein Traum und mein Leben. Wir lebten in einem Wohnwagen, die mehr Platz und Luxus anbot, als manche Wohnung. Vor 75 Jahren fing diese Ära an … die Geschichte meiner Familie vom Rummel bis zum Kino und wie ich zum Campen gekommen bin. Bye Bye Rummel: Ich habe Dich geliebt!

Die Raupenbahn: Mein Großvater war ein Visionär

Hubert Wirges, mein Opa, war ein visionärer junger Mann – mit Mut, Unternehmergeist und voller Tatendrang. 1942, inmitten des schwersten Krieges in Deutschland, entschied er sich dazu, die Wege für eine erfolgreiche Zukunft zu ebnen. Er investierte all sein erspartes Geld in eine Raupenbahn und war einer der ersten Schausteller seiner Zeit, der seinen Gästen ein atemberaubendes Erlebnis auf dem Rummel bot.

Wirges Raupenbahn 300x207 - Bye Bye Rummel: Der Wohnwagen der ExtraklasseWir alle kennen dieses Karussell aus unserer Jugend, vielleicht auch in moderneren Ausführungen. Erste Küsse wurden hier ausgetauscht, Herzen klopften Hörer als das Verdeck schloss und wir Jungs kurze Zeit hatten, die Herzen unserer Mitfahrerinnen im Sturm zu erobern. Die Gondeln rappelten über die Holzschienen im Kreis, „Stand by me“ von Ben E. King schallt aus den Lautsprechern und das Mädchen, dem Du schon seit Monaten hinterher schmachtest steht alleine ein paar Meter neben Dir und bewegt sich leicht ignorierend zur Musik. Du nimmst all Deinen Mut zusammen und lädst sie zur heißen Raupenfahrt ein. Ab diesem Zeitpunkt nehmen unzählige schöne Geschichten ihren Lauf. Vielleicht sitzt sie heute noch neben Dir 🙂 Erinnerst Du Dich daran? Schreib mir doch bitte Deine Geschichte.

Wenn Du nicht mit der Zeit gehst, dann gehst Du mit der Zeit

Viele Jahre reiste Hubert mit seinem Geschäft und einem kleinen Wohnwagen durch die Lande und lernte seine Mitfahrerin Hedwig (meine Oma) kennen. Sie heirateten und bekamen Kinder – mein Patenonkel Karl-Heinz Wirges (†) und meine Mutter Margret Hein-Wirges kamen zur Welt. Zu viert entzückten sie Menschen in Moers und Umgebung.

Die Raupe begeisterte leider nicht mehr wie zu Beginn, sie war älter und nicht mehr im Trend. Erste Küsse wurden jetzt woanders ausgetauscht und mein Opa entschied sich frühzeitig, seine Besucher moderner zu begeistern. Die Raupenbahn wurde verkauft und Anfang der 60er Jahre bekamen wir ein neues Familienmitglied – einen topmodernen Autoscooter.

Wirges Autoscooter1 - Bye Bye Rummel: Der Wohnwagen der Extraklasse

Wirges Autoscooter zum ersten Mal aufgebaut in Moers.


Hier traf sich Jung und Alt, lauschten der lauten Musik, tranken Bier, tanzten und unterhielten sich. Zu der Zeit reichte ein Autoscooter und ein Bierwagen um viele Menschen anzulocken.

Der Wohnwagen der Extraklasse

Rummelplatz Seite 07 300x198 - Bye Bye Rummel: Der Wohnwagen der Extraklasse

Der Luxus Wohnwagen der Familie Wirges aus Moers.

Für die Familie wurde es Zeit von dem kleinen Wohnwagen in ein größeres Umfeld zu ziehen, denn der Tabbert Wohnwagen wurde für uns zu klein. Dafür hat mein Opa sich nicht lumpen lassen und für die Familie nur das Beste ausgesucht. 1965 bekamen wir ein Luxusheim der Extraklasse auf acht Rädern. Der Wohnwagen der Extraklasse von der Firma Eberhard Stork aus Soest war unser neues Heim. Jeder hatte genug Platz und Freiheit, Ruhe vom Rummel und Trubel zu finden und sich zurückzuziehen.

Es gab einen Wintergarten, eine geräumige Küche, ein Wohnzimmer mit Couch und TV, dass sich mit Erkern an beiden Seiten vergrößern ließ. Darauf folgte die Toilette mit Keramikklo und das Schlafzimmer der Eltern. Für die Zeit war dieser Wohnwagen etwas ganz Besonderes und mit viel Wehmut blicke ich darauf zurück.

Übrigens: Der Wohnwagen konnte nicht mit einem normalen Auto gezogen werden, der Transport zu den verschiedenen Rummelplätzen verlief per Zugmaschine, oder dem guten alten Hanomag Trecker.

 

Bye Bye Rummel, jetzt werden Küsse im Kino getauscht

1979 endet für die Familie die Schausteller-Ära, denn mein Opa hat einen neuen Trend erkannt. Durch eine glückliche Fügung und eine schwere Entscheidung trennte er sich vom Rummelplatz und eröffnete in Moers, Duisburg und Kamp-Lintfort acht Schauspielhäuser (Kinos).


Zu Beginn führten mein Patenonkel und meine Mutter die Kirmesgeschäfte und meine Großeltern die Kinos. Die Familie musste sich allerdings auf ein Geschäft konzentrieren und verkaufte den Autoscooter innerhalb der Familie an Tötty und Erich Driesen aus Moers. Dort war ich oft zu Gast und durfte mit auf die Reise gehen, für mich war das ein riesen Spaß – danke Euch – ich hoffe, dass ich Euch (Tötty, Erich, Freddy, Markus und Carsten) nicht zu sehr auf den Nerv gegangen bin.

Geschichten sind was tolles, oder?

Ich fand das Leben des Schaustellers einfach nur toll. Viel auf Reisen, die Menschen freuen sich wenn Du kommst – denn dann kommt Schwung in die Stadt. Immer die aktuellste Musik auf dem Player und eine Megashow für die Besucher – das wäre mein Leben. Heute liebe ich es auf der Kirmes zu sein und die strahlenden Gesichter der Kinder zu beobachten und an die Vergangenheit zu denken. Bei all dem Rummel ist dies für die Betreiber jedoch ein hartes Geschäft.

Das war in Kürze die Geschichte unserer Familie und wie ich schon sehr früh ein “Camper” war. Ich könnte noch tausend kleine schöne Stories vom Rummel und aus der Kinowelt erzählen. Jenny hat zu dem Thema, wie wir zum Campen gekommen sind auch schon einen tollen Artikel geschrieben.
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Übrigens: Heute arbeite ich in der Werbewelt und begeistere Menschen mit schönen Ideen und perfekten Inszenierungen. In der Freizeit bin ich Camper und gebe mein Bestes, Dich mit meiner Frau hier zu begeistern und Dir neue Ideen und schöne Produkte zu geben.

Wie bist Du zum campen gekommen? Was machst Du beruflich? Erzähl doch bitte etwas von Dir.

Legende
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One Wheel Hoverboard: „Zurück in die Zukunft“ ich komme.

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6 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • […] 5 Jahren habe ich dann Jürgen kennengelernt, der aus einer alten Schaustellerfamilie aus Moers stammt (ja, das gibt es heutzutage noch) und der konnte das Feeling nachempfinden. Zwar ist dies […]

    Antworten
  • Jörg Bettges
    8. März 2018 10:22

    gibt es eventuell noch andere bilder der raupenbahn? den autoscooter kannte ich, hab eine kurze zeit bei josef reminder an der raupenbahn gearbeitet und wir hatten einige plätze zusammen. würde mich sehr freuen wenn es noch andere bilder,von der raupenbahn oder autoscooter gäbe und sie mir diese schicken würden,an meine e-mail adresse. im voraus besten dank. jörg bettes

    Antworten
    • Hallo Herr Bettges, danke für Ihren Kommentar. Ich werde meine Mutter fragen, glaube aber, dass ich bereits alle Bilder bekommen habe. Schöne Grüße, Jürgen Hein

      Antworten
  • Dr. R. Giesen
    2. Januar 2019 16:59

    Ich habe Herrn Wirges im August oder September 1968 getroffen, und zwar in seinem Büro über den Grafschafter Lichtspielen in der Homberger Straße in Moers. Er hatte gerade die Kinos Grafschafter und Residenz von Carl Frankholz, einem anderen “Rummelplatz-Entrepreneur”, übernommen, auch das Kronen-Kino, und beklagte sich bitter über die Demonstrationen vor dem Grafschafter wegen John Waynes Vietnam-Kriegsfilm “Die grünen Teufel”. Die hätten doch vorher mit ihm sprechen können. Dann wäre er, erklärte er, zur Verleihfiliale nach Düsseldorf gefahren, hätte sich den Film angesehen und ggf. abgesetzt.

    Antworten
    • Hallo Herr Dr. Giesen, vielen Dank für ihren schönen Kommentar. Leider habe ich meinen Opa nicht mehr kennenlernen dürfen, zumindest nicht bewußt – ich war noch zu klein als er starb. Das war eine aufregende Zeit damals. Meine Eltern hatten eine ähnliche Situation mit dem Film “Rambo”. Als der Film anlief, gab es auch Demonstationen vor dem Residenz, an die ich mich noch gut erinnere.

      Das Büro, welches sie beschreiben kenne ich allerdings noch sehr gut. Dort habe ich oft gespielt. Es wurde aber noch dem Tod meines Opas nicht mehr genutzt – es war sein Büro. Ich freue mich sehr über ihren Kommentar, darf ich fragen, woher sie meinen Großvater kannten? Gerne können sie mir auch eine E-Mail schreiben: juergen.hein@cambeing.de

      Würde mich sehr freuen von ihnen zu lesen.

      Schöne Grüße,
      Jürgen Hein

      Antworten
  • Edgar Möller
    15. April 2019 4:04

    Ja den Wirges Scooter kannte ich zu gut. Mit den “grimmig” anmutenden “Chaisen” (Scooter), Der Song Nutbush City Limits war wohl der Lieblingssong. Meist in Duisburg Hochheide. Den Bengel Scooter gibts aber auch nicht mehr.

    Antworten

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